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Donnerstag, 27. Juli 2017
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Auf ein Wort


 

 

„Jeder, ob groß oder klein, reich oder arm, ob Herr oder Sklave, wurde gezwungen auf der rechten Hand oder der Stirn ein Zeichen zu tragen. Niemand konnte Arbeit finden oder etwas einkaufen, wenn er das Zeichen nicht hatte. Und dieses Zeichen war nichts anderes als der Name des Tieres in Buchstaben geschrieben oder in Zahlen ausgedrückt….. und diese Zahl  ist 666.“ Offenbarung 13,16

                                                 

 

Mag sein, ich ziehe mir Ihren Zorn auf  mich. Wie kann man in einem Gemeindebrief, der in die wohlverdiente Urlaubszeit fällt, so einen düsteren Text wählen, wäre nicht  was leichteres und beschwingteres dran?

Na ja, wir wissen aus dem persönlichen Bereich: unliebsame Ereignisse, plötzliche Katastrophen machen auch nicht vor unserem Urlaub halt, leider nicht, so gern wir es hätten. Deswegen: lesen sie einfach weiter.

Das Zeichen auf der Stirn…wir waren es in unserer Jugend so  leid, in einer  „endzeitgeschwängerten Atmosphäre unserer Gemeinde“ immer wieder die neusten Theorien über das wie  und wo der letzten Tage dieser Welt verdauen  zu müssen. Dabei musste „der Zeiger an der Weltenuhr“ ja sowieso immer wieder zurück geschoben werden, weil das was da spekuliert wurde sich als  hohl und leer entpuppte. Wir haben oft still in uns hinein gelächelt. Das ganze Szenario war einfach zu abgefahren, nicht vorstellbar und unser Glaube an die positive Entwicklung der Medien-Welt war noch ungetrübt.

Wir  belächelten etwa den alten Mann, der in einem Gottesdienst den Zeigefinger erhob und mit dem Wort „und die Teufelsrechen auf den Dächern“ alle Fernseher verteufelte. (für die Jüngeren: Teufelsrechen – die Antennen hatten damals noch diese Form, heute sind sie rund und hier und dort steht SATAN („SAT – Antenne“) drauf. Wir hielten diese Warnrufe einfach für maßlos übertrieben.

Wenn ich heute - 40  Jahre  später- den Text aus der Offenbarung lese, lächle ich nicht mehr. Das was da steht ist nicht nur vorstellbar sondern sogar schon Realität. Die Zeichen befinden sich zwar nicht auf der Stirn, aber die gesamte medial digitale Entwicklung hat einen Einfluss erreicht, der mit „maßlos“ eigentlich noch freundlich beschrieben ist.

Der Unterschied zu vor 40 Jahren: Christen reagieren nicht mehr drauf. Protest, Analyse der Zeit … Fehlanzeige. Wir tolerieren nicht nur die Entwicklung, wir machen an vielen Stellen unkritisch mit. In einer toleranten Gesellschaft will sich doch keiner mehr unbeliebt machen.  Ob wir  da nicht nur auf einem Holzweg sind?

Vor einigen Wochen knallte mir ein Jugendlicher der freihändig Fahrrad fuhr weil er beide Hände für die Bedienung seines  Smartphons brauchte beinahe auf die Kühlerhaube. Erst mehrmaliges Hupen weckte ihn aus seiner Handyvertieftheit. Gesenkte Häupter überall, aber nicht zum Gebet gebeugt sondern in voller Konzentration auf dieses kleine viereckige Gerät das fast alle in den Bann zieht. „Zuhause sein im sozialen Netzwerk“ was für eine Lüge, denn dieses Netzwerk ist gar nicht so sozial, wie man uns weiß machen möchte sondern im richtig verstandenen Sinne sogar asozial. Analog (in echt) erlebbare Gemeinschaft geht flöten wo die Menschen einträchtig auf der Parkbank sitzen, jeder auf sein Smartphone gebannt.

Im ehemaligen 3. Reich und anschließend in der DDR (also in eigentlich diktatorischen Systemen) mussten  die Gestapo und  die Stasi noch Denunzianten anheuern, Wanzen einbauen, eine Menge Aufwand betreiben um das Volk zu überwachen. Heute  geht das viel einfacher und wir bezahlen sogar noch dafür, dass man uns überwacht, gängelt und abhängig macht.

Wie anders ist es zu verstehen, dass ich nach einer Online Bestellung irgendeines Artikels wochenlang ähnliche Angebote bekomme und mich frage, woher haben all diese Anbieter meine Adresse und vor allen Dingen:  Woher kennen sie alle meine Vorlieben? Bin ich womöglich schon bis in die kleinsten Details durchleuchtet.

Kaum eine Veröffentlichung in den christlichen Medien zu diesen rasanten Entwicklungen.

Im nichtchristlichen Bereich wird man eher fündig. Manche erinnern sich noch an das Buch von Geog Orwell „1984“ was er dort als Zukunftsszenario beschrieb ist längst überholt. Der neueste Roman von Dave Eggers „The Circle“*1 wochenlang auf der Bestsellerliste ist eine drastische Weiterführung dieser Visionen und in weiten Teilen  schon real erlebbar.

Professor Harald Welzer beschreibt in seinem Sachbuch „Die smarte Diktatur – der Angriff auf unsere Freiheit“*2 wie wir auf langsame behutsame „smarte Form“  immer mehr  unsere lang erkämpften Freiheiten aufgeben. Wie man uns manipuliert, die Politik langsam immer mehr an Einfluss verliert, aber die großen Konzerne an ihre Stelle treten. Keiner kümmert sich mehr um eine „soziale Arbeitswelt“ überall wird ausgebeutet und der Mensch ist nur noch Arbeitsmaterial. Vor allem: in nicht all zu ferner Zeit werden wir uns  in diktatorischen Verhältnissen wieder finden. Die jedoch hat uns keiner aufgezwungen, nein die haben wir kritiklos zugelassen,  selber sogar noch forciert und gar nicht gespürt, wie das alles so kommen konnte. Das wird aber klarer, wenn man sich anschaut, dass ein 10 jährige Pimpf schon bis zu 170 x am Tag sein Smartphon aktiviert. Nur nichts verpassen, sofort antworten. Sowas  prägt und  verändert sogar Denkstrukturen in zukünftigen Hirnen.

Kann es also  sein, dass die Entwicklungen am Ende der Endzeit ganz anders sein werden, als wir sie erwarten: Nicht der plötzliche Umsturz der politischen Verhältnisse oder der Einfall von IS Schergen sondern eine selbstgewählte Diktatur in der wir die Macht anderer über uns einfach zugelassen haben ohne auf zu begehren. Auch wir Christen?! 

Dabei ist es ja verständlich, dass man immer wieder hört: Man kann ja sowieso nichts machen, da sind wir ohnmächtig. Und deswegen konzentriert man sich einfach auf die Bewältigung des nächsten Tages, man hat es ja eh schwer genug.

Die digitalen Medien  befriedigen Wünsche die nicht lebensrelevant  sind, aber sie werden uns so offeriert, als könnten wir ohne sie nicht mehr Leben.

Was auf der Strecke bleibt ist eine „real erlebbare Welt“. Trost, echte Gemeinschaft, Poesie, wahre Liebe, Freiheit, die gibt es zum einen nicht für Geld und zum zweiten auch nur „offline“ und „analog“. Hier aber ist mein Smartphone relativ  bald am Ende  seines Lateins und entlässt mich in die selbstgemachte Einsamkeit.

 

Was können wir denn tun?

Ich fänd es schön, wenn sich in unserer Gemeinde ein offener Gesprächskreis mal zusammen setzen würde und über diese Thematik ins Gespräch käme.

Wohlgemerkt, es geht mir ja gar nicht ums „verteufeln“ wir werden alle Errungenschaften der modernen Medienwelt nicht mehr ins Mittelalter zurückentwickeln. Eine angstmachende theoretische Erkenntnise verändern auch nichts, das sehen wir ja schon in der Klimapolitik

Aber kleine Zeichen setzen:

-  Etwa wieder echt Einkaufen gehen und zwar im Einzelhandel , obwohl es teurer ist. Damit aber zum einen ausschalten, dass man uns mit weiteren Angeboten ködert und nebenbei aushorcht, aber die Geschäfte in unserer Stadt belebt.

-  Alle Apps abschalten, weil besonders über diese Schiene besonders viel Überwachung in unsere Häuser sickert.

Das sind zwei  kleine, zugegeben sehr kleine Signale. Der berühmte  Tropfen auf den heißen Stein, es gibt  sicher noch mehr…

Etwas, was mir große Hoffnung macht ist die Gemeinde selber. Hier ist der Raum für „erlebbares Leben jenseits der virtuellen Welt.“ Trost, Liebe und Gemeinschaft wird in „ganz in echt“ erlebt. Man spricht miteinander von Angesicht zu Angesicht.  Hier entsteht ein „angstfreier Raum“ in dem Menschen aufblühen, die sich aus irgendwelchen Gründen ins Schneckenhaus zurückgezogen hatten, oder einfach in der heutigen schnellen Welt nicht mehr mithalten  konnten.

Ein wenig  sensibler und kritischer mit allen modernen Errungenschaften  umgehen, wäre wünschenswert. Es geht nicht um „die böse Welt“ und den „Rückzug auf die Insel der Seligen“. Vielleicht treffen wir uns an einem Abend Ende September mal zu einer offenen Gesprächsrunde über diese Andacht und Offenbarung 13. Ich würde mich freuen.

 

Herzliche Grüße

Ihr Pastor Hans Ulrich Betz

 

 

 
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